Die seltsame Rechnung mit den Jahresringen hat nichts mit der CO²-Bilanz des Baumbestandes zu tun

Dezember 09, 2022

Der Bürgermeister von Monheim am Rhein geht bei seiner mittlerweile mehrfach vorgetragenen Rechnung zu den Jahresringen von Monheimer Bäumen von einem Szenario aus, bei dem es 11.000 im Baumkataster erfasste Bäume in Monheim gibt. Das Alter der Bäume ist in seinem Modell idealtypisch gleichmäßig verteilt über 100 Jahre, d.h. in jedem Altersjahr gibt es 110 Bäume. Er behauptet, wenn er jedes Jahr 110 100-jährige Bäume fällen würde und durch 110 einjährige Bäume ersetzen würde, würde die Zahl der Jahresringe aller Bäume im Baumkataster in Summe wegen des natürlichen Wachstums über die Jahre nicht abnehmen. Damit hat er Recht:
Die Summe aller Jahresringe von 11.000 Bäumen im Baumkataster, die gleichmäßig über ein Alter von 1 bis 100 Jahre verteilt sind beträgt 550.500 Jahresringe. Wenn er jedes Jahr 110 100-jährige Bäume fällt, entnimmt er jedes Jahr 11.000 Jahresringe und ersetze sie durch 110 einjährige Bäume mit insgesamt 110 Jahresringen. Es gibt dann weiterhin 11.000 Bäume im Baumkataster, die im folgenden Jahr durch das natürliche Wachstum jeweils einen Jahresring zulegen. Damit werden im Szenario des Bürgermeisters die 11.000 Jahresringe der entnommenen 110 100-jährigen Bäume kompensiert und die Summe der Jahresringe nimmt im Folgejahr um 110 zu. Lässt man sich auf dieses Model ein, dann müsste das Szenario des Bürgermeisters verglichen werden mit der Situation, dass keine Bäume, die im Baumkataster erfasst sind, gefällt werden. Dann würde nämlich die Zahl der Jahresringe der Bäume im Baumkataster jedes Jahr um 11.000 zunehmen. Den Vergleich beider Szenarien zeigt die Grafik (s.0.). Mit der vom Bürgermeister favorisierten Vorgehensweise bleibt die Gesamtzahl der Jahresringe der 11.000 Bäume im Baumkataster im Wesentlichen konstant, während ohne Baumfällungen die Gesamtzahl der Jahresringe stark anwächst und Monheim im Laufe der Zeit immer grüner würde.

Allerdings ist für den ökologischen Wert eines Baumbestandes nicht die Gesamtanzahl der Jahresringe ausschlaggebend.
Die positive CO2-Bilanz von Bäumen steigt nicht proportional mit den Jahresringen, sondern eher mit der dritten Potenz. Das heißt vereinfacht gesagt, ein Baum mit 10 Jahresringe nimmt nicht 10 Mal, sondern 1000 Mal so viel CO2 auf wie ein einjähriger Baum, da die Krone sich in den Raum (dreidimensional!) ausdehnt und entsprechend mehr Holz und Blätter bildet. Ein Forscherteam an der Universität Hamburg konnten z.B. zeigen, dass alte Bäume im letzten Viertel ihres Lebens zwischen 39 und 50 Prozent ihres gesamten Kohlenstoff-Anteils aufnehmen (Köhl M, Neupane PR, Lotfiomran N (2017) The impact of tree age on biomass growth and carbon accumuation capacity: A retrospective analysis using tree ring dat of three tropical species grown in natural forests of Suriname. PloS ONE 12(8): e018187).
Auch tragen ältere Bäume überproportional zur Biodiversität bei, da sich in ihrer Rinde und an ihren Wurzeln im Laufe der Zeit immer mehr Tiere und Organismen ansiedeln.

Das heißt, die seltsame Rechnung mit den Jahresringen ist zu kurz gesprungen und spiegelt nicht den wahren Wert von älteren Bäumen für die Öko- und CO2-Bilanz des Monheimer Baumbestandes wider.

Darüber hinaus sind Baumfällungen im Bereich der Innenstadt sehr nachteilig für das Mikroklima dort, weil mit jedem Baum der kühlende Effekt durch Schattenwurf und Abgabe von Feuchtigkeit wegfällt, was die Entstehung von Hitzeinseln begünstigt. Dies kann nicht durch Nachpflanzungen in Außenbereichen kompensiert werden - so sie denn stattfinden. 

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